Blog zur archäologischen Forschung in Zeitz

Krieg und Frieden im Mittelalter – Pfalzenarbeitskreis tagt in Zeitz

Am 13. und 14. November 2026 wird Zeitz zum Treffpunkt der Mittelalterforschung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Deutschland kommen im Friedenssaal des Zeitzer Rathauses zusammen, um über die militärische Bedeutung mittelalterlicher Königspfalzen zu diskutieren. Wir freuen uns sehr, den 13. Workshop des Pfalzenarbeitskreises Sachsen-Anhalt als örtlicher Kooperationspartner mit ausrichten zu dürfen.

Was haben Königspfalzen mit Krieg und Frieden zu tun?

Im Mittelalter gab es keine Hauptstadt im heutigen Sinne. Könige und Kaiser reisten mit ihrem Hofstaat durch das Reich und hielten sich an verschiedenen Orten auf. Diese sogenannten Pfalzen waren weit mehr als repräsentative Residenzen. Hier wurde Politik gemacht, Recht gesprochen und Herrschaft organisiert.

Doch welche Rolle spielten diese Orte im Krieg? Waren sie befestigte Stützpunkte, dienten sie der Kontrolle wichtiger Verkehrswege oder als Sammelplätze für Heere? Und wie lässt sich ihre militärische Bedeutung heute überhaupt noch nachweisen?

Diesen Fragen widmet sich der diesjährige Workshop unter dem Titel „Krieg und Frieden – Die militärischen Funktionen von Pfalzen“. In zahlreichen Vorträgen werden historische Schriftquellen und archäologische Befunde untersucht und miteinander verglichen.

Warum Zeitz?

Dass die Tagung in Zeitz stattfindet, freut uns ganz besonders. Denn unsere Stadt war bereits im 10. Jahrhundert ein bedeutender Ort der ottonischen Herrschaftslandschaft. Mit der Gründung des Bistums im Jahr 968 rückte Zeitz in den Mittelpunkt der politischen und kirchlichen Neuordnung des östlichen Reichsgebietes.

Die archäologischen Untersuchungen auf dem Klosterberg Posa haben in den vergangenen Jahren ein neues Licht auf diese Geschichte geworfen. Unter dem späteren Benediktinerkloster kamen Kirchenbauten und umfangreiche herrschaftliche Baustrukturen des 10. Jahrhunderts zum Vorschein. Sie eröffnen neue Perspektiven auf den frühen Bischofssitz und seine Bedeutung innerhalb der ottonischen Herrschaftsorganisation.

Die Tagung bietet deshalb eine wunderbare Gelegenheit, unsere Forschungsergebnisse in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Zugleich rückt Zeitz damit erneut in den Fokus der überregionalen Mittelalterforschung.

Forschung aus ganz Deutschland zu Gast

Der Pfalzenarbeitskreis Sachsen-Anhalt wurde 2012 gegründet und vereint Historiker, Archäologen und weitere Fachleute sowie ehrenamtlich Forschende. Sein Ziel ist es, die mittelalterlichen Königspfalzen Sachsen-Anhalts wissenschaftlich zu untersuchen und ihre Geschichte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die jährlichen Workshops finden an wechselnden historischen Orten statt. Ihre Ergebnisse werden in der wissenschaftlichen Buchreihe Palatium. Studien zur Pfalzenforschung in Sachsen-Anhalt veröffentlicht.

In Zeitz stehen neben grundsätzlichen Fragen mittelalterlicher Kriegsführung auch konkrete Herrschaftsorte im Mittelpunkt. Am Samstag, dem 14. November, wird der Archäologe Holger Rode über die archäologischen Befunde zur militärischen Bedeutung der Zeitzer Pfalz berichten. Anschließend stellt Markus Cottin die Pfalz Treben bei Weißenfels vor.

Den Abschluss bildet eine Exkursion zum Klosterberg Posa, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die archäologischen Untersuchungen vor Ort kennenlernen können.

Herzliche Einladung!

Die Tagung richtet sich ausdrücklich nicht nur an Wissenschaftler. Auch alle geschichtsinteressierten Bürgerinnen und Bürger sind herzlich willkommen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Am Freitagabend um 18 Uhr findet zudem ein öffentlicher Vortrag des Kieler Kunsthistorikers Klaus Gereon Beuckers über Sühnegaben bei Friedensabkommen in ottonischer Zeit statt.

Wir freuen uns auf zwei spannende Tage, interessante Diskussionen und darauf, gemeinsam mit unseren Gästen ein weiteres Stück der frühen Geschichte unserer Stadt sichtbar zu machen.

Eintritt frei. Um Anmeldung wird gebeten unter pfak.sachsen-anhalt@ovgu.de.


PROGRAMM


Freitag, 13. November 2026

13.00 Uhr Grußworte und Einführung

13.15 Uhr Martin Clauss (Chemnitz) – Krieg und Frieden und das Mittelalter

14.00 Uhr Felix Biermann (Halle) – Pfalz und Burg im mitteldeutschen Raum – räumliche Beziehungen und lange Entwicklungen zwischen Karolingerzeit und spätem Mittelalter

14.45 Uhr Kaffeepause

15.15 Uhr Simon Groth (Magdeburg) – Frieden und Krieg. Zur Konzeptionalität der Herrschaft Heinrichs I.

16.00 Uhr Franziska Quaas (Marburg) – Zwischen Ordnung und Gewalt. Normierung und Praxis ottonischer Kriegführung

16.45 Uhr Erik Wascheck (Tübingen) – Wenige Quellen und große Modelle? Zu den Möglichkeiten und Problemen der Rekonstruktion einer ottonischen Militärorganisation

18.00 Uhr Öffentlicher Abendvortrag

Klaus Gereon Beuckers (Kiel) – Lotharius rex cum […] muneribus magnificis ad eum venit et sibi satisfaciens amiciam eius firmiter acquisivit (Thietmar Chronicon III, 10). Zur Sühnegabe bei Friedensabkommen in ottonischer Zeit


Samstag, 14. November 2026

9.15 Uhr Gesine Mierke (Bamberg) – Schlachtenlärm und Kampfgetöse. Zur Darstellung des Krieges in der Literatur des Mittelalters

10.00 Uhr Markus C. Blaich (Hannover) – Werla, Pöhlde und Grona: Ihre Befestigungsanlagen und mögliche Hinweise auf bewaffnete Konflikte

10.45 Uhr Kaffeepause

11.15 Uhr Holger Rode (Zeitz) – Archäologische Befunde zur militärischen Bedeutung der Zeitzer Pfalz

12.00 Uhr Markus Cottin (Merseburg) – Die Pfalz Treben bei Weißenfels als königlicher Aufenthaltsort in ottonischer Zeit

12.45 Uhr Stephan Freund (Magdeburg) – Zusammenfassung und Ausblick

13.30 Uhr Exkursion: Kloster Posa (fakultativ)


Das vollständige Vortragsprogramm findet sich im beigefügten Flyer.

Pressemitteilung